Pressemitteilung

"Weichen müssen frühzeitig gestellt werden

Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf referierte vor der JU Frontenhausen zum Thema „Niederbayern starker Motor und Wirtschaftskraft“

Frontenhausen. „Die Zeit ist in Niederbayern nicht stehen geblieben. Hier pulsiert das Leben, wie in keiner anderen Region. Hightech ist von Anfang an hier zuhause!“ Mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende der Jungen Union, Christian Fertl am Freitagabend die zahlreichen Gäste, darunter Staatsminister a. D. Erwin Huber und Bürgermeister Georg Retz und sein Stellvertreter Dr. Franz Gassner, die zum Vortrag des Oberbürgermeisters der Stadt Landshut, Hans Rampf in das griechische Lokal Aphrodite gekommen waren.
Kurz stellte Fertl den Redner vor: Der politische Senkrecht-Starter ist 1948 in Mallersdorf geboren ist verheiratet und hat drei Kinder. Vier abgeschlossene Berufe als Bäcker, Koch, Verkäufer und Einzelhandelskaufmann mit entsprechender Berufserfahrung kann Rampf vorweisen. 2002 erzielte er mit knapp 21.000 Stimmen das mit Abstand beste Ergebnis aller Stadtratskandidaten. Im Oktober 2004 wurde er zum ersten Mal Oberbürgermeister der Stadt Landshut. Bei den letzten OB-Wahlen 2010 wurde er trotz fünf Gegenkandidaten mit 61 % der Stimmen wiedergewählt. 25 Jahre war er selbständiger Franchisenehmer. Er führte neun Restaurants in Landshut und der Region, beschäftigte dort rund 400 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter, bis er die Betriebe vor seinem Amtsantritt seiner Tochter übergab.

Anschließend stieg Hans Rampf in seine Ansprache ein. Er berichtete vorerst über seinen Wirkungsbereich Landshut. Die Stadt mit 63.000 Einwohnern habe das Glück außerhalb des Speckgürtels Münchens geographisch gut zu liegen und verfüge über  eine sehr gut verdienende Bürgerschaft, ein gutes Angebot an Bildungsstätten, niedrige Arbeitslosenzahlen und sei so für die Zukunft sehr gut aufgestellt.

In den letzten 20 bis 30  Jahren habe sich Niederbayern vom klassischen Agrarland in einen so genannten Finanzgeber entwickelt. Die Region sei ein Standort, der sich Bayern weit mit bestimmten Parametern an der Spitze befinde. Angefangen von den niedrigen Arbeitslosenzahlen bis zur hohen Kaufkraft, seien die Perspektiven sehr gut. Zu verdanken sei dies Werken wie BMW,  mit ihren ganzen Bereichen.

Mit einem Überangebot von Lehrstellen, habe die Jugend sehr gute Perspektiven, was daher rührt, dass in der Vergangenheit die Grundlagen dafür geschaffen wurden. Jedoch werde man in den nächsten Jahren gut aufpassen müssen. Das Gutachten des Zukunftsrates zeige, wo der Trend hingehe. Es stimmt tatsächlich, so Hans Rampf: „Der Trend geht mit Bereichen wie der Forschung und der Wissenschaft wieder mehr in die Zentren!“ Er sieht aber eine Riesenchance  für die ländliche Region, sich hier entsprechend zu positionieren. Kürzlich hätten die Oberbürgermeister und Landräte ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Fakten darstellen zu können, daraus zu schöpfen und Maßnahmen ergreifen zu können, die den ländlichen Raum stärken, wettbewerbsfähig und lebenswert erhalten. Trotzdem werde es sich nicht verhindern lassen, dass die Zentren ein gewisses Machtmonopol darstellen werden. Rampf spielte mit dieser Aussage darauf an, dass der Zukunftsrat der Staatsregierung in einem Gutachten empfohlen hatte, die Ballungsräume zu stärken und dafür die ländlichen Regionen abzukoppeln.
Die Zukunft sehe er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen könnten die bestehenden Standards in den nächsten Jahren gewährleistet werden, andererseits könne der ostbayerische Bereich etwas abgehängt werden, wenn man nicht aufpasse. Das gehe nur mit Konzepten, die politisch gesteuert werden müssen. In diesem Sektor sei man aufgefordert entsprechend zu arbeiten.
In Deutschland sei der Anteil in der Automobilherstellung rund 20 bis 25 %, in Niederbayern aber 40 %. In Zukunft heiße das aber, dass man darauf Acht geben müsse, nicht zu sehr „autolastig“ zu bleiben. Niederbayern dürfe es nicht versäumen, sich in Bereichen wie der Geriatrie und in der Medizinwissenschaft noch weiter zu stabilisieren.
Nach den jüngsten Turbulenzen um den ländlichen Raum hat MdL Bernd Sibler eine TU für Ostbayern gefordert. Ministerpräsident Horst Seehofer hat die Idee offenbar gefallen und  hat entsprechende Gespräche mit Wissenschaftsminister Heubisch angekündigt. Inzwischen hat es schon mehrere Forderungen gegeben, Anträge in diese Richtung zu stellen. Dazu meinte Hans Rampf: „Man muss nicht jeder Sau, die durchs Dorf getrieben wird, nachrennen! Das sei natürlich eine Sache, die man begleiten und anschauen könne, aber man solle sich damit nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen.
Dagegen sieht Rampf Niederbayern als idealen Wissenschaftsstandort für erneuerbare Energien, der entsprechend gefördert werden sollte. Die Automobilindustrie werde sich in Zukunft Standorte, sei es in China oder Indien, anlachen. Momentan sei BMW noch ein verlässlicher Partner, aber man könne nicht vorhersehen wie es mit den Zulieferern weitergehe und inwieweit ein Umdenken notwendig sei. „Das heißt, dass wir Verlagerungen von Arbeitsplätzen in Kauf nehmen müssen. Da müssen frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und die Weichen, mit dem Aufbau neuer Geschäftsfelder gestellt werden“, merkte der  Oberbürgermeister an.  
Sehr gute Perspektiven vermutet Rampf in den Kommunen mit Eigenenergieerzeugung und Biogasanlagen. Nach wie vor bestehe das Problem mit dem Kernkraftwerk Isar 1. Er sei der Meinung, wenn genügend Energie vorhanden wäre, solle das eine oder andere Kernkraftwerk vom Netz genommen werden, um der Öffentlichkeit ein Signal zu geben, dass im Atomausstieg, beziehungsweise langfristig mit erneuerbaren Energien wirklich zügig vorangegangen werde. Fakt sei aber, die Atomenergie werde die nächsten 20 bis 30 Jahre noch gebraucht, um das Niveau in der Brückentechnologie noch weiter zu erhöhen. Er sei sich sicher, dass die Richtung die die CSU in diesem Bereich eingeschlagen hätte, gehalten werden könne. Der Neubau der 3. Start- und Landebahn am Verkehrsflughafen München Franz-Josef-Strauß, biete neue Arbeitslätze, auch für Frontenhausen.
Einen besonders großen Handlungsbedarf gebe es im Jugendbereich, der sich jährlich steigere. Immer mehr Jugendliche würden Auffälligkeiten zeigen. Daneben sprach sich der Redner für eine Sperrzeitverkürzung und eine höhere Polizeipräsenz aus, da Komasaufen und Gewalt immer mehr zum Problem würden. Tatsache sei auch, dass die Frauen die Männer seit Jahren in der Bildungsvorgabe überholen und in tolle Berufe einsteigen. Es sei aber ein Riesenproblem Familie und Kinder mit dem Beruf zu vereinen. Hier gebe es einen großen Nachholbedarf im Angebot von Kinderkrippenplätzen. Die Familienpolitik sei daher ein ganz wichtiger Parameter, der nicht verschlafen werden dürfe. Insgesamt sei Niederbayern für die nächsten Jahre gut gewappnet.
An den Vortrag schloss sich eine Diskussion mit reichlichen Wortmeldungen an.
Anna Unterholzer

 
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